Malerei + Gedichte

 

Diese Seite zeigt ein Potpourrie der Arbeiten von 1987 bis heute.

Lustvoll Tag sein

Bild:"Weiblich"

 

Antwortgedicht  auf  "Traurig Nacht sein"  von Günter Ramsauer/  Zusammenarbeit  1990

 

Lustvoll Tag sein

neues sehnen

volles prallherz

schlägt sich leicht

 

Lustvoll Tag sein

junger lichtkranz

altes lächeln

knospt sich frei

 

Lustvoll Tag sein

feines staubkleid

warmer flimmer

leuchtet bahnen

 

Lustvoll Tag sein

helle funken

formen wellen

vogel frei.

 

 

 

 



Frühling

Bild: "Frühlingsgleiten"
Bild: "Frühlingsgleiten"

 

Das Wegegeld wurde mit Blutzoll bezahlt.

Dein Trost hat einen wilden Berg versetzt.

Die Tiefe und Breite des gähnenden Abgrunds

habe ich zu meinen Gunsten verschätzt.

 

Manches Mal glauben wir nicht mehr an Engel.

Wir beten sie dennoch hoffend herbei.

Ist auch das Wissen der Liebe verdunkelt,

ist die Flugbahn für uns grad' nicht frei.

 

Und dann erblicke ich stumm meinen Körper.

Ein Zuhause für diese laute Zeit.

Erinner' mich, was meine Seele schon kann,

mache den Mut für mein Handeln bereit.

 

Schneeflocken reinigen wirbelnd die Lüfte,

auch wenn der Straßendreck liegen bleibt.

Winter im Aufruhr, Frühling übt Salsa,

ein Abgesang auf die Vergangenheit.

 

Dein Trost hat einen Berg überwunden.

Versteinerte Küsse trauen sich zu blüh'n.

Das Gold der Sonne hat sich zu mir gesetzt.

Der Rost in der Wiese wird wieder Grün.

 

 

 

 

 

 



PLOPP

Bild: "Ohne Mitte"
Bild: "Ohne Mitte"

 

Gefangen in einem „Es war einmal“

läufst Du Seifenblasen hinterher

hauch-gezartet bis an’s Meer

 

 Möven torkeln statt zu fliegen

 Stoppuhr gleich in’s Abendrot

 Gezeiten schäumen sich in’s Boot

 

 Bäume klatschen Blätter ab

  bis der Wind durch Zweige zieht

  und das Licht dem Tag entflieht

 

 Luftballons entfesseln Schnüre

 stoßen lauthals Wolken an

 schieben sich zur Sonne ran

 

Sterne glitzern nachtverzaubert

 kleine Spiegel in den See

 Steinen tut das Atmen weh

 

Und ein Märchen hängt besoffen

 tropfnass auf der Wäscheleine

 macht sich Knoten in die Beine

 

Prostet seinen Rollschuh’n zu

 weil es nicht mehr segeln will

 Seifenblasen platzen still.

 

 



Wenn ein Stern spricht

Bild: "Portrait einer Seele"
Bild: "Portrait einer Seele"

 

 

Wer bin ich?

Das, was Du nicht sehen kannst.

 

Was suche ich?

Das, was Du im Herzen als wahr erfühlst.

 

Was will ich?

Das, was Dir selbst zur Ehre gereicht.

 

Was hält mich?

Das, was Dich befreit.

 

Was trägt mich?

Das, worum Du nicht bitten musst.

 

 


Ohne Text

Bild: Sonne und Erde
Bild: Sonne und Erde


Momentaufnahme

Bild: "Balance"
Bild: "Balance"

 

Dein Sieg pocht sich wartend in Deiner Blutbahn fest.

Er kommt erst zu Dir, wenn Du ihn gewinnen läßt.

Er steigt gleitend auf, in eine Welt die ächzend tickt,

die jeden Tag im Feuerstrom vor sich selbst erschrickt.

 

Das Chaos steht im Trümmerkleid, prachtvoll eingehüllt,

den Gang versperrend vor der Tür, Ausweg zugemüllt.

Schleicht ausgeblutet in die Lücken Deines Denkens rein,

will Wegweiser, will Bestimmer Deines Lebens sein.

 

Was immer nach Dir greifen will, woher sie auch kamen,

gewinnt an Bedeutung, hat es erst einen Namen.

Und weiß der Goldrand Deines Traumes irgendwann nicht weiter,

dann steh' auf und sei ein Kämpfer, werde Vorbereiter!

 

Du hast Deine Runden hin zur Prüfung eingedreht.

Hast beherzt Dein Können in die Waagschale gelegt.

Dennoch sind die Sprossen Deiner Leiter ausgebrochen,

doch das Licht am Tunnel-Ende hat zu Dir gesprochen.

 

Dein Sieg pocht sich warm in Deine Blutbahn hinein.

Was Deinen Schritt erblinden lässt, beginne wach zu schrei'n.

Ganz gleich- nimmt Dich Glück oder Qual in die Arme-

bedenke: Alles was geschieht ist nur Momentaufnahme!



Bild: "Hormonpoker"
Bild: "Hormonpoker"

 

 

Ohne Text



Ohne Namen

Bild: "Krieg sucht Frieden"
Bild: "Krieg sucht Frieden"

 

 

Für das Namenlose

                                    einen Namen finden

Sich nicht versteckend

                                     in's Vergessen winden

Jede Flucht ist irgendwann

                                     zu ende gerannt

Und das Eis im Boden

                                     vollends ausgebrannt

Die geleugneten Freuden

                                     wollen sich endlich zeigen

Die verbannten Worte

                                      brechen hörbar ihr Schweigen

Eine Schwalbe im Sommer

                                      macht noch kein gutes Jahr

Und die einsame Täuschung

                                      wünschte sie wäre wahr

Die Scham zeigt sich

                                      zunehmend mutig und nackt

Ein Kleid übt das Schwingen

                                      im eigenen Takt

Das einst Namenlose

                                      buchstabiert sich nun frei

Schwebt mit Wolken auf

                                      Wolken und singt dabei...



Bild: "Vesuv"
Bild: "Vesuv"

Ohne Text



Bild: "Schmetterlingswild"
Bild: "Schmetterlingswild"

Ohne Text



Absurd


So ein Mist, der Aufzug geht nicht.

Jetzt weicht mich der Regen auf!

Mein Versuch Zeit anzuhalten

endet nur im Dauerlauf.

 

Blendax-weiße Zähne beißen

Golf in's rote Hinterrad

während ich zur U-Bahn hetze,

die mich mitnimmt Richtung Stadt.

 

Heute stellt mir die Reklame

wirklich überall ein Bein:

"Take A Dip Into Your Future"

Scheiße! Stipp Dich selber rein.

 

Lucky qualmt sich "Strike" zu Tode,

Telekomm hat pralle Brüste,

Wasa lächelt mit viel Ballast

lila auf die Kuhgelüste.

 

Großformatig lockt der Käse:

er wirbt gegen Hängebauch.

Diese Welt ist so missraten

und ich bin's für heute auch!

 



Ohne Text

Bild: "Wellentosen"
Bild: "Wellentosen"


Der Hände Fest

Bild: "Funkenflug"
Bild: "Funkenflug"

   Verdichtung nach einem Text von Herman Josef Schmitz

 

   Die Hände feiern heut' ein Fest.

   Zu lange waren sie

   und sehnten sich

   nach Worten

   die verrichten wollten

   was ihre Buchstaben verbieten.

   Finger tanzen Straßen

   die sie nie mehr

   vergessen können

   suchen rote Lippen

   taumeln leise über

   weiche Lust

   und beugen kleine Haare.

   Die Finger

   klingen und singen

   an Spitzen voller Zärtlichkeit

   zaubern Wärme

   in den Augenblick

   als wäre da eine neue Welt

   die es jetzt

   zu finden gälte.

 

   Da bleibt ein Herz

   und tausend Seelen gehen

   in Erfüllung.

 



Würdigung

Bild: "Drachentöter"
Bild: "Drachentöter"

Das Bild „Drachentöter“ ist meinem Großvater Rudolf Bremer gewidmet.

 

Als er 1987 unerwartet verstarb, konnte ich leider nicht bei ihm sein. Wie ich später erfuhr, war unser letzter Abschied von Menschen aus unserem direkten Umfeld in voller Absicht verhindert worden. Das erschütterte und verletzte mich sehr.

Die Gelegenheit, einen geliebten Menschen verabschieden zu können, war uns beiden auf diese Weise für immer genommen worden. Angesichts dieses Verlustes war ich erfüllt von Zorn, Trauer, Ohnmacht und Verzweiflung. Was könnte mir dabei helfen, diesen Schmerz zu überwinden? Wie könnte ich mit der Widrigkeit der Umstände Frieden schließen?

 

Und dann, eines Nachts, hatte ich einen Traum:

 Mein Großvater erschien, lächelte mich an und zeigte auf ein Bild. Er kam immer näher auf mich zu und sagte schließlich: „Male dieses Bild. Du sollst MALEN!“

 

Am nächsten Morgen legte ich sofort los und rekonstruierte das Bild aus dem Gedächtnis. Einige Zeit später betrachtete ich das Ergebnis. Auf einmal bemerkte ich eine starke Ähnlichkeit mit einem Gemälde, das bei meinem Großvater immer über der Anrichte hing. Ohne es zu begreifen, hatte ich im geträumten Auftrag eine Variante seines Lieblingsbildes gemalt! Und da wusste ich: das war unsere Art, voneinander Abschied zu nehmen. Über dieses Erkennen musste ich lachen und weinen zur gleichen Zeit. Eine tiefe Freude überflutete mein Herz, ich wurde ruhig.

 

Mein Großvater diente im 2. Weltkrieg, wie viele Männer seiner Generation. Er hatte Glück, er durfte, äußerlich unbeschadet, diesen Krieg überleben. Aber er brachte 2 Dinge mit: Orden und Albträume.

 

42 Jahre lang durchlebte er wieder und wieder die Grausamkeiten des Krieges in seinen nächtlichen Träumen und litt sehr darunter, was immer er auch in Afrika erlebt haben mochte. Über die Ereignisse selbst hat er nie ein Wort verloren. 


Statt dessen befasste er sich mit den historischen Fakten und sah sich Kriegsfilme an, allen voran „Steiner, das eiserne Kreuz“. Das war seine Art, das Geschehene auszuhalten, sich mit den Opfern des Krieges zu solidarisieren, die Schwere dieser Zeit bewusst ein Leben lang zu tragen. Er wollte keinen leichten Weg gehen. Das war unter anderem seine Art, Mitgefühl zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen.

 

Vielleicht war er gerade deshalb ein überaus positiver, lebendiger, Natur verbundener Mensch. Und er besaß einen wundervoll verspielten Humor! Seine Orden hat er verächtlich in eine Holzkiste gelegt, den Orden der Menschlichkeit hat er jedoch bis zum Schluss getragen, an jedem einzelnen Tag. Er hat mich Werte gelehrt und glaubwürdig vorgelebt, mutig zu sein, sich dem eigenen inneren Drachen zu stellen um ihn schließlich zu bezähmen.

 

 „Das etwas schwer ist, muss uns ein Grund mehr sein, es zu tun.“

 Ich habe verstanden. Danke, dass Du warst, Großvati.

 Hab‘ Dich lieb. Für immer!


Ohne Text

Bild: "Selbstbildnis"
Bild: "Selbstbildnis"