Gute-Nacht-Märchen

 

Für Erwachsene

die noch Lust darauf haben, skurril oder mit Poesie zu träumen...


 

Szene einer Ehe

 

 

Als er abends nach Hause kam, stach er das Grau seines Mantels auf einen Bügel, tanzte in´s Wohnzimmer und sah freundlich weg. Dann reichte er ihr einen Strauß Rechtfertigungen, woraufhin sie seinen Pantoffeln Wasser gab und darauf wartete, dass sie aufblühten. Sie sang sich in die Küche, legte den Abwasch in den Schrank und bereitete seine Lieblingsschürze zu. Sie trug den farblosen Auflauf zu Tisch und schmunzelte ihren Mann zu sich herüber. Warum reichte das Glänzen seiner Augen nicht aus, um das Essen warm zu halten?

 

Er ließ sich Zeit, als er die kleinen Uhren verspeiste, versah die auf eine Gabel gerollten Träger mit einer gewagten Dosis Basilikum und schwieg lauthals seine Frau an. Eine Hand griff nach dem vergangenen Arbeitstag. Seine Frau klapperte mit der Tischdecke, während sie gesättigt aufstand.

 

Sein Blick verknotete sich mit der Decke, als sein Verstand versuchte, das in ihr befindliche Muster zu enträtseln. Er dachte nach, wohin er seine Seele gelegt hatte, doch es wollte ihm nicht so recht einfallen. Als er immer unklarer wurde vom vielen Denken, rutschte ihm ein Wunsch aus der linken Hosentasche und glitt mit sanftem "Klong" direkt auf die runde Gabel seiner Teetasse. Er rührte den Zucker in die Sahne und trank.

 

Über einen derart wohlig-warmen Transportweg in den Magen des Mannes zu gelangen, war der Wunsch baß erstaunt.. Er schmiegte sich in das Sonnengeflecht und breitete sich von dort strahlenförmig in seinem restlichen Zustand aus. Das konnte man sehen, an den rosigen Bäckchen, die der Mann nach und nach bekam. Ich wette, er hatte auch keine kalten Füße mehr.

 

Seine Schuhe umklammerten das Holz des Stuhls, auf dem er seit einer halben Stunde nicht mehr sitzen wollte. Seine Frau stand in der Küche und schimpfte mit den Tellern. Sie vergrub ihren Kopf in der Salatschüssel.

 

Mehr hatte sie für heute nicht zu sagen.